Von Dienstag bis Donnerstag haben wir eine Tour gemacht, die ich so schnell nicht vergessen werde. Schon vor zwei Monaten, als wir die Reiseplanung vorangetrieben haben, hat mich diese Tour von vornherein gefesselt! Huayna Potosi ist einer der höchsten Berge Boliviens (6088m) und ist ein beliebtes Objekt, um seine Kletterkünste unter Beweis zu stellen.
Am Dienstag gings also los. Miguel, einer der Guides, hat uns direkt beim Hostel eingesammelt. Da fing alles gleich schon mal gut an. Erstens sprach der gute kaum Englisch und zweitens hatte er die falschen Schuhgrößen dabei. Also erstmal bei ihm zu hause vorbei und das richtige Equipment eingepackt. Dann gings auch direkt los zum Basislager auf 4700m. Wer noch nie so hoch war, kann sich gar nicht vorstellen, dass man hier schon recht ordentliche Probleme mit der Höhe bekommen kann. So sei gesagt, dass ab 5500m der Sauerstoffgehalt nur noch 50% des Sauerstoffgehalts auf Meereshöhe enthält. Also schon recht wenig.
Im Basislager angekommen gab es dann auch erstmal essen. Danach gings dann direkt 200 Höhenmeter hoch, um am Gletscher das ein mal eins des Eisklettern zu erlernen. War auch gleich mal ne interessante Erfahrung, auch wenn das nichts mit dem im Vergleich sein sollte, was uns die nächsten beiden tage erwartete. Nachdem die gut zweistündige Übungseinheit abgeschlossen war, gings auch wieder ins Basislager zurück. Abendessen und dann früh ins Bett, damit wir auch ja für den ersten Aufstieg am nächsten Tag fit sein würden.
Tags drauf gings dann nach dem Frühstück die ersten 430 Höhenmeter ins nächste Camp (5130m). Von hieraus startete dann auch die Mission Gipfelsturm. Während des Aufstieges wurde uns dann nebenbei erzählt, dass dort vor einem halben Jahr eine Holländerin tödlich verunglückt ist. Allerdings beim Abstieg, weil sie müde war… Na dann!
In der Hütte angekommen hieß es eigentlich nur relaxen und schlafen, um genügend Kraft für die Nacht zu tanken.
Um 24 Uhr war dann aufstehen und Tee trinken angesagt. Nach kurzem Ausrüstungscheck gimgs dann auch recht zügig los. Um 1 Uhr nachts sind wir dann mit Steigeisen und Eisaxt auf den Gletscher gestiegen. 2 2er Gruppen und ich in ner Einzelgruppe. Und los gings. Es war zwar Schweinekalt, aber dafür hatten wir schönen Sternenhimmel und somit auch noch ein bisschen mehr Licht außer den Lichtkegeln unserer Stirnlampen. Jetzt hieß es vorbei an Gletscherspalten den Hügel hoch bis auf 5500m, wo der erste Treffpunkt sein sollte. Allerdings sollte es hier nicht zu einem Treffen kommen, da mein Guide und ich deutlich schneller unterwegs waren als die anderen was nicht zwingend in meinem Interesse war. Nachdem ich das realisiert hatte, meinte mein Gude, dass es besser wäre nicht auf die anderen Gruppen zu warten. Also hieß es er und ich gegen die Höhe. Und ich sag euch, es war eines meiner härtesten und beängstigensten Erlebnisse, die ich je in meinem Leben hatte. Teilweise mussten wir an Steilhängen (80 Grad) hochklettern. Unter dir fast nichts. Ich hatte wirklich Angst. Und dazu die dünne Luft! Nur als Beispiel: Normalerweise habe ich einen Ruhepuls von 40 – 45. Im 2ten Basislager war mein „Ruhepuls“ bei 92. Bei diesem Aufstieg hatte ich Dauerherzrasen und echte Probleme mit der Atmung.
Nun ja, man kann es in Worten wirklich fast nicht wiedergeben, was man da erlebt. Jedenfalls haben wir zwei nach weniger als 5 Stunden und 3 Steilwänden, sowie einem beängstigenden 20cm breiten Eisweg, von dem es links und rechts 200m direkt in die Tiefe ging, die Spitze erreicht. Leider konnte ich es nicht so ganz genießen, da ich immer noch vollkommen unter Stress stand vom Aufstieg und dazu auch noch keinen einzigen Zehen mehr spürte. Somit gings nach 10min schon wieder auf zum Abstieg. Nach 1,5 Stunden trafen wir dann wieder im Lager ein, wo ich Hans und Broer traf, sowie zwei andere Deutsche, die Leider den Aufstieg wegen Höhenkrankheit abbrechen mussten.
Ich sag euch, dass ich wirklich stolz auf mich bin mich da hochgequält zu haben. Allerdings muss ich das so schnell nun auch nicht mehr haben, da das ganze echt extremst anstrengend ist. Und wenn man dazu dass das erste mal macht und sich nur bepisst vor Angst, kann man das Ganze so oder so nicht so recht genießen.
So, jetzt tun mir meine Knie weh und ich Schlaf gleich vorm Laptop ein. Also genießt das Video…
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Bin sehr stolz auf Dich, Bruderherz. Das Video ist genial und zeigt uns daheim gebliebenen, dass Du dir zurecht in die Hosen gepinkelt hast. Ich bin froh, dass Du wieder heil unten angekommen bist. Vermisse Dich!
AntwortenLöschendem kann ich mir ja nur anschließen! Dicke fette Props! Ich hab mich bei Lesen von dem Bericht ja schon fast eingenäßt, das ist definitiv nichts für den nicht schwindelfreien Roman...
AntwortenLöschenKann auch gut nachvollziehen, dass sich das Hochgefühl erst wieder einstellt, wenn man diese Gefahren ein bisschen hinter sich hat!
Sehr krass!
Das Video ist der Hammer!
Lass dich von streikenden Busfahrern nicht ärgern, Roman
Hi Sohn!!
AntwortenLöschenMan siehts Dir an, wie stressig die Tour war, man meint direkt, Dein Gesicht sei schmäler geworden. Auch wir in Steinbach sind stolz auf Dich, dass Du Deinen inneren Schweinehund so überwunden hast und diese wirklich anstrengende Aktion durchgezogen hast. Nachträglich habe ich wirklich Angst um Dich und ich hoffe, die nächsten Ausflüge sind weniger lebensgefährlich und ich könnte dann wieder gut schlafen. Also: Alle Achtung vor Deinem eisernen Willen, den ich gar nicht bei Dir vermutet hätte. Du?
Viele dicke bejinhos von Deiner vor Dir stramm stehenden Mutter
Sehr geil!
AntwortenLöschenDu hast meinen höchsten Respekt! Ich bin ja schon stolz, wenn ich mich 30 m mit der Feuerwehrleiter in die Luft traue...
Wie stolz kannst Du dann erst sein!!!
Wunderschön sind auch die Bilder von der "Fahrradtour".
Paß auf Dich auf!